Grundlagen
Was ist Superposition in einem Satz?
Ein Quantensystem muss sich vor der Messung nicht für ein einziges
Ergebnis entscheiden, sondern kann mehrere Möglichkeiten gleichzeitig in
sich tragen. Das heißt nicht, dass wir die Antwort bloß
nicht kennen. Sie steht tatsächlich noch nicht fest und wird erst
durch die Messung festgelegt.
Ist Schrödingers Katze wirklich tot und lebendig?
Nein. Schrödinger hat sich das Beispiel 1935 als Kritik
ausgedacht. Er wollte zeigen, wie absurd es wird, wenn man die Regeln der
winzigen Teilchen auf große Dinge überträgt. Bei einzelnen Atomen lässt
sich die Superposition genau nachmessen. Bei einer Katze gibt es sie
nicht, denn sie besteht aus unvorstellbar vielen Teilchen und ist
immer eindeutig lebendig oder eindeutig tot.
Was ist ein Qubit?
Ein Qubit ist das kleinste Quantensystem mit genau zwei möglichen
Messergebnissen, meist 0 und 1. Anders als ein gewöhnliches Bit kann es
vor der Messung in einer Superposition aus beiden Werten stehen. Um
seinen Zustand vollständig zu beschreiben, braucht man zwei Winkel.
Deshalb lässt er sich als Punkt auf einer Kugel darstellen, der
Bloch-Kugel.
Was ist Interferenz?
Wellen überlagern sich und addieren dabei ihre Ausschläge. Wo Berg auf
Berg trifft, wird die Welle stärker. Wo Berg auf Tal trifft, löschen sie
sich aus. In der Quantenmechanik überlagern sich die
Möglichkeiten selbst. Deshalb kann ein Ergebnis
verschwinden, obwohl beide Wege dorthin offen sind, und ein anderes wird
dafür umso wahrscheinlicher.
Was bedeutet „Messung zerstört den Zustand“?
Messen ist kein passives Hinschauen, sondern eine Wechselwirkung mit dem
System. Danach befindet es sich in genau einem der möglichen Ergebnisse
und die ursprüngliche Superposition ist unwiederbringlich verloren.
Das kannst du an der
Bloch-Kugel
selbst ausprobieren. Nach jeder Messung springt der Pfeil auf einen der
beiden Pole.
Was ist Verschränkung?
Zwei Teilchen können so eng verbunden sein, dass keines von beiden für
sich einen eigenen Zustand hat. Beschrieben werden kann nur das Paar
gemeinsam. Misst man beide, passen die Ergebnisse immer zusammen, obwohl
jedes einzelne für sich rein zufällig ausfällt. Du kannst so ein Paar
selbst herstellen, mit dem
Bell-Zustand
am QuantumTable.
Was ist die Unschärferelation?
Bestimmte Größenpaare, etwa Ort und Impuls eines Teilchens, können nicht
beide gleichzeitig beliebig genau festliegen. Je genauer der Ort bekannt
ist, desto unbestimmter wird der Impuls, und umgekehrt. Das liegt
nicht an ungenauen Messgeräten. Es ist eine Eigenschaft
der Natur selbst und würde auch mit perfekter Technik bestehen bleiben.
Quantencomputer
Sind Quantencomputer einfach schnellere Computer?
Nein. Bei bestimmten Aufgaben sind sie tatsächlich viel schneller, bei
den meisten anderen aber langsamer als dein Laptop. Für
Videos, Chats oder Textverarbeitung bringen sie nichts. Ein
Quantencomputer ist ein Spezialwerkzeug für ausgewählte Probleme und
kein besserer Alleskönner.
Probiert ein Quantencomputer alle Möglichkeiten gleichzeitig aus?
Das ist die häufigste Fehlvorstellung. Zwar hat er während der Rechnung
viele Möglichkeiten gleichzeitig im Spiel, am Ende darf er aber nur
einmal messen und bekommt dabei ein einziges Ergebnis.
Würde man einfach drauflos messen, käme nur Zufall heraus. Die
eigentliche Kunst besteht darin, die Rechnung so zu gestalten, dass sich
die falschen Möglichkeiten durch Interferenz auslöschen und die richtige
übrig bleibt.
Wofür sind sie tatsächlich gut?
Am aussichtsreichsten ist die Simulation von Molekülen und Materialien,
etwa für neue Medikamente oder bessere Batterien. Dazu kommen bestimmte
Optimierungsprobleme. Bekannt, aber noch weit entfernt, ist auch das
Knacken heutiger Verschlüsselung. Vieles davon befindet sich noch in der
Forschung und ist kein fertiges Produkt.
Wann kann ich einen kaufen?
Für zu Hause wahrscheinlich nie, denn die Geräte brauchen extreme Kälte
und aufwändige Abschirmung. Realistischer ist der Zugriff über die
Cloud. Den gibt es schon heute, teilweise sogar gratis
für kleine Experimente. Dabei läuft dein Programm auf einem Gerät im
Labor und du bekommst nur das Ergebnis zurück.
Ist meine Verschlüsselung bald unsicher?
Heute noch nicht. Dafür bräuchte es viel größere und stabilere
Quantencomputer, als es sie derzeit gibt. Ein Risiko besteht eher darin,
dass jemand verschlüsselte Daten jetzt speichert und später
entschlüsselt. Deshalb werden schon heute neue, quantensichere
Verfahren entwickelt und eingeführt.
Warum sind Quantencomputer so empfindlich?
Jede Störung von außen zerstört die Superposition der Qubits. Fachleute
nennen das Dekohärenz. Schon Wärme, Vibrationen oder
Streulicht reichen dafür aus. Deshalb werden viele Quantencomputer fast
bis zum absoluten Nullpunkt gekühlt und aufwändig abgeschirmt, und
deshalb ist die Fehlerkorrektur ein so großes Forschungsthema.
Große Fragen
Ist der Zufall echt oder kennen wir nur die Details nicht?
Nach heutigem Wissensstand ist er echt. Experimente zu
den Bell'schen Ungleichungen, die 2022 mit dem Nobelpreis für Physik
ausgezeichnet wurden, schließen naheliegende Erklärungen mit
„versteckten Variablen“ aus. Vollständig geklärt ist die Deutung der
Quantenmechanik damit aber noch nicht, und darüber wird weiter
geforscht.
Gibt es Paralleluniversen?
Das ist eine Interpretation der Quantenmechanik, die
Viele-Welten-Deutung, und keine Messung. Sie macht dieselben
Vorhersagen wie andere Deutungen. Die Physik entscheidet zwischen
Theorien durch Experimente, und hier liefern bisher alle Deutungen
dieselben Ergebnisse. Ob es Paralleluniversen gibt, kann deshalb
derzeit niemand nachweisen.
Hat Bewusstsein etwas mit der Messung zu tun?
Nein. Eine Messung braucht kein Bewusstsein. Ein Detektor, eine
Fotoplatte oder schon die Luft im Raum reichen völlig aus, weil sie mit
dem System wechselwirken. Die Idee geht auf Spekulationen einzelner
Physiker zurück, etwa Eugene Wigner in den 1960er-Jahren, und wurde vor
allem durch populäre Bücher verbreitet. In der heutigen Physik spielt
sie keine Rolle.
Kann man mit Verschränkung schneller als Licht kommunizieren?
Nein, und das lässt sich sogar beweisen. Dein Messergebnis ist reiner
Zufall, den du nicht steuern kannst. Dass beide Seiten zusammenpassen,
fällt erst auf, wenn sie ihre Ergebnisse vergleichen. Dafür müssen sie
sich über einen ganz normalen Kanal austauschen, der nie schneller als
das Licht ist.
Alltag
Begegnet mir Quantenphysik im Alltag?
Ständig. LEDs, Laser, Solarzellen, die Chips in deinem Handy, die MRT im
Krankenhaus und die Atomuhren im GPS beruhen alle auf Quantenmechanik.
Sie ist also nicht exotisch, sondern die am besten bestätigte Theorie der
gesamten Physik.
Warum wirkt das im Alltag nie „quantenhaft“?
Der Grund ist die Dekohärenz. Je mehr Teilchen ein
Objekt hat, desto schneller zerstört die Umgebung seine Superposition.
Bei Alltagsgegenständen passiert das so unvorstellbar schnell, dass wir
davon nie etwas bemerken.
Was ist mit „Quantenheilung“ oder „Quantenenergie“?
Damit hat die Physik nichts zu tun. Ein guter Prüfstein ist die Frage,
ob genaue Zahlen vorhergesagt werden, die man widerlegen könnte. Echte
Quantenphysik macht zahlenmäßige Vorhersagen. Wenn
„Quanten“ nur als Stimmungswort auftaucht, handelt es sich um Marketing.
Ich verstehe es einfach nicht. Bin ich zu dumm?
Nein. Die Quantenmechanik widerspricht unserer Alltagserfahrung und
dein Gehirn wurde nicht dafür gebaut. Selbst Richard Feynman, einer der
bekanntesten Physiker des 20. Jahrhunderts, soll sinngemäß gesagt haben,
dass sie niemand wirklich versteht. Rechnen und vorhersagen
können wir sie trotzdem hervorragend, und das Verstehen wächst mit dem
Ausprobieren.